Obwohl die Wettervorhersage wenig Hoffnung auf einen schönen Tag machte, trafen sich 48 Naturfreunde am
Sonntag, dem 7. Juni, um gemeinsam nach Mainz-Mombach zum "Mainzer Sand" zu fahren. Geführt wurde der Ausflug
von NABU-Vorstandsmitglied Thomas Fittkau, dem dieses sehens- und erhaltenswerte Gebiet gut vertraut ist.
Trotz der Nutzung als Truppenübungsplatz und der vielfältigen Probleme, die eine dichte Randbebauung und
die Zerschneidung des Gebietes durch die Autobahn mit sich bringen, hat sich am "Mainzer Sand" ein Biotop
erhalten, das in Mitteleuropa Seinesgleichen sucht. Am Ende der letzten Eiszeit als Dünengebiet entstanden,
das sich ursprünglich von Ingelheim über Mainz und Frankfurt-Schwanheim bis nach Heidelberg erstreckte,
finden sich hier heutzutage Pflanzenarten, die für ganz Deutschland einzigartig sind.
Die dreistündige Exkursion führte durch offene, von Steppenvegetation geprägte Landschaften. Immer wieder
wies Thomas Fittkau auf seltene und geschützte Pflanzen hin. Gefunden wurden neben vielen anderen Schleier-Gipskraut,
Kiefern-Mistel, Sand-Steinkraut, Blutstorchschnabel, Graukresse, Steppen-Wolfsmilch, Flohsamenwegerich und natürlich
auch einheimische Orchideen wie das Rote Waldvögelein und die Bocksriemenzunge. Schmarotzer wie die Sandsommerwurz
und die Gelbe Sommerwurz, von denen leider nur noch wenige Exemplare blühten, waren den meisten Teilnehmern unbekannt.
Der Weg führte vorbei an seltenen Gräsern und Steppenrollern wie dem Feld-Mannstreu, dessen reife Fruchtstände von der
Pflanze abbrechen und vom Wind über die Fläche gerollt und so verbreitet werden. Sie finden hier beste Überlebensbedingungen.
Besondere Aufmerksamkeit wurden dem Kegel-Leimkraut und dem Frühlings-Adonisröschen geschenkt, die auf der roten Liste ganz
weit oben stehen. Gekrönt wurde der Ausflug jedoch von der Sand-Lotwurz, einer wärmeliebenden Art, die in ganz Deutschland
nur noch hier in einigen wenigen Exemplaren vorkommt und gerade in voller Blüte steht.
Von den Teilnehmern war immer wieder zu hören: "An dieser Pflanze wäre ich normalerweise vorbei gelaufen, ohne sie wahrzunehmen."
Es lohnte sich, in Ruhe den Blick schweifen zu lassen, und alle Teilnehmer waren überrascht, eine solche Vielfalt vorzufinden.
Der Wettergott meinte es ebenfalls gut, denn der Regen setzte erst auf der Rückfahrt ein. Die Naturfreunde waren einhellig der
Meinung, dass es ein wunderschöner Tag war und sich die Fahrt zum Mainzer Sand gelohnt hat.